Eine Diesellok für den Rammelsberg

 

Im Jahr 1964 beschaffte das Erzbergwerk Rammelsberg für die Erzförderung auf der 12. Sohle eine gebrauchte Diesellok Typ Ruhrthaler G42z von der kurz vorher stillgelegten Eisenerzgrube Fortuna-Morgenstern in Groß-Döhren bei Liebenburg. Nach Abbau des Daches und des Beifahrersitzes blieb die Maschine von 1965 bis 1975 im Einsatz und wurde letzlich durch zwei neu beschaffte Siemens-Akkulokomotiven abgelöst. Die Lok wurde anschliessend verschrottet. Die Bilder zeigen sie 1960 auf der 3. Sohle von Fortuna-Morgenstern (links) und um 1970 auf der 12. Sohle des Rammelsberges (rechts). (Bilder: Sammlung Dützer)

  Zum 13.04.1989 ergab sich für den Rammelsberger Förderverein die Möglichkeit, eine Dieselmaschine aus einem Kalibergwerk bei Hildesheim zu übernehmen. Da sich in der Sammlung des Museums keine Diesellok befand, wollten die Mitglieder die Lok für den Besucherbetrieb im Museum herrichten. Mit der Lok wurde ebenfalls ein elektrisch betriebener Wurfschaufellader an den Förderverein übergeben. (Bilder: Uwe Knüpfer)

Im Laufe des Jahres ließ man die Diesellok aufarbeiten. Da man nicht über entsprechendes Fachpersonal verfügte, überstellte man die Lokomotive zu einer Schlosserei nach Wolfenbüttel-Leinde, welche gegen Bezahlung eine Reinigung und Lackierung durchführte. Durch Vermittlung eines Vereinsmitglieds konnte der defekten Altmotor durch ein funktionstüchtiges Aggregat ersetzt werden; selbiges setzte eine weiteren Fachfirma instand. Im Dezember 1989 wurde die Lok beim Rammelsberger Bergbaumuseum vorgeführt. Zu einem Einsatz kam es praktisch nie, da schon wenig später wegen einer defekten Zentralschmierung die Achsgleitlager zerstört wurden. Außerdem fehlten Beilagebleche an den Blattfedern, die Lok sprang bei Rückwärtsfahrt unkontrolliert in die Höhe und das Bremsgestänge riß. Das Museum hatte wegen der aufwändigen Auflagen für Brandschutz und Bewetterung kein Interesse am Betrieb einer Diesellok unter Tage. Darüber hinaus hatte die Museumsleitung unter Prof. Roseneck erklärt, am Museum nur originale Rammelsberger Maschinen erhalten zu wollen, deren Anzahl alleine die Museumswerkstatt auf lange Zeit auslasten würde. Es entwickelten sich zunehmend Unstimmigkeiten zwischen Museum und Verein. So verbrachte die Lok die folgenden Jahre abgestellt auf verschiedenen Standplätzen des Museum. (Bilder: Bernhard Pollak, Stefan Dützer)

Unter einer neuen Leitung formierte sich 2004 eine Arbeitsgruppe aus Vereinsmitgliedern, die es sich zur Aufgabe stellte, die immer noch im Vereinsbesitz befindliche Lok betriebsfähig aufzuarbeiten. Seitens des Museums wurde uns dazu die ehemalige Tränke als Werkstattraum zur Verfügung gestellt. In einer ersten Maßnahme wurden die Achsen überdreht, neue Lagerschalen angefertigt, das Bremsgestänge geschweisst und ein neues Schmierkonzept etabliert. Hauptsächlich dienten die Aktivitäten aber dazu, dem schrumpfenden Förderverein neue Aktivitäten zu verschaffen und Mitglieder zu werben.

Nach dem Umsetzen auf das Hauptgleis und der TÜV-Abnahme konnte die Maschine am 3. Juni 2007 beim Welterbetag erstmals wieder eingesetzt werden. Mit den Steigerwagen des Erzbergwerks führten wir mit Erfolg Pendelfahrten zwischen der Aufbereitung und dem Holzplatz durch. Ein weiterer Betriebstag folgte zum Lichterfest im Dezember 2007. Danach aber verfügte eine neue Museumsleitung ein Fahrverbot, weil die Maschine für den Betrieb auf den alten übertägigen Gleisen des Bergwerks zu schwer ist. Die Holzschwellen waren morsch, die Schienen sackten ab und es war bereits zu Schienenbrüchen gekommen. Da wir auch wenig später unsere Werkstatt räumen mußten, das Museum keine Verwendungsmöglichkeit für die Lok sah und die Entfernung vom Gelände verfügte, beschloß die Mitgliederversammlung im November 2010, die Lok einem Verein zu übergeben, dem es möglich ist, die Betriebsfähigkeit durch sachgemäße Wartung und regelmäßige Einsätze zu erhalten. Auch der mit der Lok beschaffte Wurfschaufellader wurde wenig später vom Rammelsberger Bergbaumuseum an eine Feldbahnsammlung in Rheine verkauft.