Durchführung von Verhüttungsversuchen mit einem Rennofen

 

Bereits seit einigen Jahren reifte in uns der Wunsch, einmal eine Verhüttung von Rammelsberger Bleierz nach altem Prinzip durchzuführen (manche nennen es experimentelle Montanarchäologie). Bleierz in ausreichender Menge allerdings ist selbst am Rammelsberg kaum zu beschaffen. Im Jahr 2007 ergab sich aber die Gelegenheit, mittels eines Bleierzvorproduktes zumindest die Funktionsweise eines historischen Rennofens nachzustellen. Und so begann der Aufbau des Ofens unter Mithilfe eines geübten Töpfers aus Fredelsloh. Als Unterlage liessen wir eine Edelstahlwanne anfertigen, um einerseits die Kontamination des Untergrundes mit Schwermetallen zu vermeiden und andererseits den Transport des Ofens als Exponat nach Abschluß der Ofenreise zu ermöglichen. (Bilder: Sammlung Dützer)

  Auf dieser Unterlage wurde als nächstes eine dichte Tonschicht eingestampft, auf der in einem weiteren Schritt die Sockelwand mit dem großen Abstichloch vorne und den drei kleinen Winddüsen dahinter entstand. Roh(r)material für die Löcher waren gebrannte Tonröhren.

Darauf aufgesetzt entstand in mehreren Phasen mit Trocknungspausen die Ofenwandung. Nach langwieriger Durchtrocknung konnte der Rennofen schließlich zum Welterbetag am 03.06.2007 zum ersten Male angeheizt werden. Der Ofenwind wurde über einen elektrischen Radiallüfter und drei Kunststoffschläuche den Düsen zugeführt. Brennstoff war grobe Holzkohle von der Köhlerei Stemberghaus.

Beim Aufheizen bildeten sich Risse an den Übergangsstellen der einzelnen Ofensegmente. Diese wurden mit Ton verschmiert. Tatsächlich hielt unsere Konstruktion der steigenden Temperatur stand und so konnten wir bald die erste Ladung Bleierzkonzentrat in die Gicht schütten.

Wenig später führten wir den ersten Abstich durch - mit Erfolg. Neben Schlacke floß auch silbernes Blei aus dem Loch.

Im Laufe des Tages wurde kontinuierlich weiter beschickt und abgestochen, bis schließlich zum Abend die Ofenreise ihren Abschluß fand.

Der Ofen hatte aber noch nicht ausgedient. Seine stabile Bauweise ermöglichte eine zweite Ofenreise, die wir für den Abend des 23.11.2007 arrangierten. Dabei entstanden einige stimmungsvolle Aufnahmen, mit denen ich diesen Beitrag beschliessen möchte. Der erkaltete Ofen wurde leider kein Museumsexponat, sondern verfiel in den folgenden Monaten zusehends und mußte auf Geheiß der nächsten Museumsleiterin schließlich von uns entfernt und entsorgt werden.